Montag, 16. Februar 2009

Das liebe Auto

Die Fahrzeuge sollten im Norden alle mit einem "block heater" ausgerüstet sein. Ein Kabel wird an den Motorblock angeschlossen und für einige Stunden vorgewärmt. Manche Fahrzeuge haben auch eine spezielle Wärmeeinrichtung für die Batterie. Sonst kommt man noch nicht einmal aus seiner Einfahrt heraus.
Ein weiteres Problem kann der hohe Schnee sein. Wir haben ungefähr 100 Meter bis zum Klondike Highway. Bei der Steigung ist das nur mit Allrad möglich. Es kommt nur darauf an, richtig vorbereitet zu sein. In diesem Winter hatten wir noch keine Schwierigkeiten.

Minus 46 Grad

Im Januar hatten wir sogar minus 47 Grad. Ein normales Wetter im eisigen Yukon? Mit Sicherheit nicht. Die Tagestemperatur stieg für eine Woche auf ungewöhnliche 3 bis 4 Grad plus an. Vom Dach tropfte es. Das war uns zu warm. Zum Glück wurde es bald wieder angenehmer.

Eingeschneit

Schnee, Schnee und noch mehr Schnee. Für Tage hatte es geschneit. Schnee isoliert und hält warm. Doch wenn wir aus den Fenstern sahen, versperrte eine weiße Wand die uneingeschränkte Sicht. Langsam machte ich mir Gedanken, ob die Last auf dem Dach nicht zu schwer würde. Auf jeden Fall bedeutete es Arbeit.

Spuren von einem Nachbarn

Der Schnee kann Geschichten erzählen wie die Seiten eines Buches. Das weiße Land zeichnet in einer ungeordneten Liste alle Tiere auf, die am See, dem Bach und in unserer Nähe leben.
Die winzigen Abdrücke der Eichhörnchen sahen wir nur noch selten. Erst ein milder, sonniger Tag - oder nagender Hunger - lockt die Tierchen aus ihrem verborgenen Nest. Die typischen Paarspuren ihrer Feinde waren hin und wieder zu sehen: Von Wiesel und Marder.
Der Schneeschuhhase hoppelte um unser Blockhaus, als würde er auch dort wohnen. Er hat viele Feinde. Einer davon ist der Fuchs, dessen Pfotenabdrücke im Schnee wie eine locker aufgereihte Perlenkette aussehen.
Der kraftvolle, geschmeidige Luchs ist der größte Hasenjäger. Manchmal streifte er bei uns vorbei und seine dicht behaarten Pranken hinterließen tellerrunde Abdrücke.
Mit Kira wieder einmal in der Winterlandschaft unterwegs, stieß ich überraschend auf diese Spur. Das Tier war begeistert immer wieder für mehrere Meter durch den Schnee geglitten. Seine private Rutschbahn. Die wannenförmige Vertiefung war ungefähr 20 Zentimeter breit. Daneben war ein Schneeschuhhase gehoppelt. Für Hunderte von Metern folgten wir der Gleitspur. Tiefe Eindrücke zeigten mir, wo ein Elch den Bach überquert und zu den nahen Bäumen gestampft war. Dann kam ich an das Loch, aus dem der Fischotter gekommen war. Der Otter hatte genau gewußt, wo das Eis verhältnismäßig dünn war. Obwohl wir Temperaturen von -40 Grad gehabt hatten.

Wintereindruck im Januar

Die Winterlast hängt schwer an den Ästen der Bäume. Wenn die Schneeladung zu schwer wird, brechen Kaskaden aus dicken Schneebrettern ab. Sie schlagen auf andere Äste, der Baum schüttelt sich, schlägt nach seinem Nachbarn und es ist, als würde ein stummer Kampf stattfinden. Plötzlich steht eine Gruppe grünbrauner Stämme von der Last befreit, wippt und schwankt nackt zwischen den weißen Nachbarn.

Es schneit


Auch an so einem Tag gehe ich hinaus, denn immer ist draußen etwas zu tun. Mit Kira dann spazieren gehen kommt seltener vor, auch wenn das seinen besonderen Reiz hat. Der Schnee legt sich lautlos auf Büsche, Äste und Bäume. Die Sicht ist eingeschränkt, die Berge und Hügel vom Grau verdeckt. Stille umgibt uns und nur selten ist ein Fahrzeug auf dem Klondike Highway zu hören. Arbeit gibt es auch im Haus genug. Immer ist etwas zu tun. Doch ich sitze auch für einige Stunden am Computer, greife schon einmal zu einem Buch. Lesen, die Wärme im Haus genießen und zufrieden auf die Winterlandschaft hinaus schauen.

Winterlandschaft

Die Wälder sind im Winter wunderschön und nur ein bitterkalter Tag mit beißendem Wind, der heulend Schneefahnen vor sich hertreibt, kann mich mit Kira von einem Spaziergang durch die nordische Landschaft abhalten.