Mittwoch, 17. März 2021

Carcross

Rund 75 Kilometer südöstlich von Whitehorse liegt der kleine Ort Carcross. Die Stämme der Tlingit und Tagish hatten an der Landenge, zwischen den Seen Bennett und Nares, schon ihre Jagd- und Fischereicamps, als in Ägypten die Pyramiden gebaut wurden.

Heute ist der Ort ein kleiner Diamant, mit vielen Informationen zu den früheren Ureinwohnern. Caribou Crossing, wie er einst genannt wurde, lag auf dem Wanderweg der Karibu, die hier zu Tausenden durchzogen. Doch dann begann der Goldrausch und die Karibu wurden von den Goldsuchern rücksichtslos bejagt.

In den 90er Jahren waren noch 400 dieser Wald- oder Bergkaribu übrig. Für die Jagd wurden keine Lizenzen mehr vergeben und die Carcross/Tagish First Nation verzichteten freiwillig auf ihr vorhandenes Jagdrecht.

Heute ist die Anzahl der Karibu wieder auf 800 bis 1000 Tiere angestiegen. Sie werden noch immer als gefährdet angesehen, denn die Herden wachsen nur langsam. In jedem Winter werden auf dem Alaska Highway im Durchschnitt sieben Tiere von Fahrzeugen getötet, da die Straße mitten durch das Wintergebiet der Karibu führt.

 


 

 








Samstag, 30. Januar 2021

Tierische Nachbarn

Wenn es nicht wieder aus grauem, trüben Himmel schneit (davon haben wir reichlich) und die Schneeflocken waagerecht durch die Luft fegen, will ich nur unterwegs sein. Nicht immer bleibe ich in der Nähe der Straße, sondern dringe manchmal in die kristallgeschmückte Winterlandschaft ein. In der Wildnis werde ich oft durch intensive Eindrücke belohnt. Hier bin ich ein Einsteiger in mein eigenes Leben, will zurück zu meinem Ur-Kern, versuchen, den Sinn zu erfahren. Was ich tue ist mehr, als durch den tiefen Schnee zu waten. Hier sein, das Leben feiern, es spüren und auskosten. Ohne Handy, Smartphone und die sozialen Netzwerke. Frei sein. Eines Tages möchte ich zu mir selbst sagen können, dass mein Leben toll war und ich es genossen habe. Dieses Glücklichsein im Hier und Jetzt.

Der Schnee zeigt mir die Spuren von einem Grouse (nordisches Waldhuhn) neben den Pfotenabdrücken eines Kojoten. Diese andere Welt fasziniert mich. Es sind oft die kleinen Dinge, wie ein Kunstwerk, was sich aus dem Schnee geformt hat.

Der Schnee knirscht unter den Schneeschuhen. Langsam aufwärts steigen. Der kleine Tagesrucksack ist nicht schwer, doch enthält alles, was notwendig ist. Innehalten, die Ruhe und die Stille spüren, die mich tief durchatmen lässt.

Nun hoffe und wünsche ich, einige von euch können bei diesen wenigen Eindrücken tief durchatmen, ob sie schon einmal hier waren oder davon träumen.

An diesem Tag, mit seinem blauen Himmel, wie er nur im Yukon vorzukommen scheint, schenkte mir die Natur ein besonderes Erlebnis. In zerklüfteten Felsen konnte ich neun Bergziegen beobachten.

Andere Begegnungen mit tierischen Nachbarn, gut ausgestattet für den Winter mit Federn oder Fell, zeigten sich nicht weniger großartig. Sie waren schön, nur etwas anders. 

 


 


 

 


 



 





 


 

Donnerstag, 31. Dezember 2020

Jahreswechsel

 

Einen GUTEN RUTSCH in das neue Jahr 2021

Happy NEW YEAR

Prosit Neujahr 

 


 


 

Mittwoch, 23. Dezember 2020

Winteranfang

 

Kleine, nur wenige Gramm leichte, gefiederten Überlebenskünstler lassen mich immer wieder staunen, wenn ich sie im Winter beobachten kann. Die Schotterstraßen des Sommers sind im tiefen Schnee versunken, doch der Alaska Highway reicht mir, um nach Norden oder Süden zu kommen. Ohne ein örtliches Ziel bin ich dann unterwegs, lasse mich durch die Winterlandschaft treiben, freue mich an jeder tierischen Begegnung.

Die Sonnenwende vom 21. auf 22. Dezember ist geschafft. Nach dem Kalender haben wir nun Winteranfang und die Tage beginnen, länger zu werden. Doch es müssen noch Wochen vergehen, bis davon etwas zu merken ist. Sonnenaufgang in Whitehorse von 11.10 Uhr bis 16.49 Uhr. Nicht gerade viel, unerträglich für einige Menschen, doch ich genieße diese Jahreszeit.

Bis ich den Alaska Highway erreiche, fahre ich etwas mehr als 2 Kilometer durch diesen verzauberten Winterwald. Die Wintersonnenwende hat zahlreiche Mythen, viel Brauchtum und Aberglaube. Hat daher jemand diese Kugeln in Rot, Blau, Grün, Gold und Silber an die Bäume und Büsche gehängt, um die Winterdämonen zu verscheuchen. Oder hatte da jemand etwas anderes im Sinn?

Nun versinkt die Sonne hinter den Bergen. Viel zu schnell ist wieder einmal Weihnachten. Euch allen wünschen wir schöne Feiertage, frohe Weihnachten und vor allem: Bleibt gesund.

Einige von meinen Bekannten verbringen diese Zeit in der Wildnis. Ein Paar hat sich sogar zu ihrer kleinen, abgelegenen Blockhütte einfliegen lassen. Dort werden sie die Ruhe, die Stille, die Abgeschiedenheit und den knisternden Holzofen bis in den Januar hinein genießen. Ohne andere Menschen und keinen Kontakt zur Außenwelt. Dann erhielt ich noch liebe Grüße von einem abgelegenen See, mit dem Zusatz … wo man immer in Quarantäne ist.

Merry Christmas vom Marsh Lake 

 


 









 


 


 

Samstag, 21. November 2020

Corona oder COVID-19 im Yukon

 

Am Donnerstag, den 19. November, wurde der 26. Fall von Corona im Yukon bestätigt. Daher wurden zum 20. November die Grenzen zu British Columbia, die Northwest Territories und Nunavut wieder geschlossen. Die Grenze nach Alaska ist ja noch immer zu. Gleichzeitig ist jeder, der in den Yukon einreist, dazu verpflichtet, eine zweiwöchige Isolation anzutreten.

Nur zwei Tage später, am Samstag, den 21. November, war die Zahl der infizierten bereits auf 32 gestiegen. 

http://www.ckrw.com/news/local-news/yukon-govt-tightens-border-restrictions-1-new-case-announced/ 

http://www.ckrw.com/news/local-news/3-new-covid-19-cases-in-yukon/  

 


 

Mittwoch, 18. November 2020

Winter im Yukon – der Anfang


 

Wieder einmal bin ich darüber erstaunt, wie viele Leute fragen, ob wir schon Schnee haben. Nach einem Schneesturm mit 35 cm Neuschnee und Verwehungen mehr als einen halben Meter hoch, sollte die Antwort klar sein.

Auch Whitehorse bekam seinen Anteil ab. Busse konnten nicht pünktlich oder überhaupt nicht fahren. Leute kamen nicht zur Arbeit, denn auch ein Auto schaffte es oft nicht durch die Schneemassen. Diese wurden auf die Mitte der Straßen gepflügt, denn es gab sonst keinen Platz dafür. Am nächsten oder übernächsten Tag wurde er dann weggefahren. Aber der Schaufelraddampfer SS Klondike lag im Winterkleid am Ufer des Yukon, der noch offen dahin strömte.

Neben dem Schneesturm gab es Eisnebel, blauer Himmel und die winterliche Wildnis. Wenn möglich, war ich unterwegs. An der Skagway Road – dem South Klondike Highway,- sah ich einige Schneehühner aufflattern, die dann im Gleitflug in dem winterlichen Wald verschwanden. Nahe der Atlin Road entdeckte ich die Spuren und Schneehöhlen von Grouse, die dort übernachtet hatten. Mit etwas Glück sah einen Wolf, Füchse, mehrere Deer (Hirsche) und einen Luchs, von dem ich nur die Pfotenabdrücke auf meine Kamera bannen konnte. Der Schnee kann Geschichten erzählen wie die Seiten eines Buches. Das weiße Land zeichnet in einer ungeordneten Liste alle Tiere auf, die dort unterwegs gewesen sind. Hier war ein Elch durch den Schnee gepflügt, dort Karibus gewandert und hier ein Schneeschuhhase gehoppelt. Dann konnte ich meine Augen über die Wildnis schweifen lassen, atmete tief die frische Luft ein und spürte die Natur. Es ist immer wieder faszinierend zu erleben, wie dröhnend Stille sein kann. Diese absolute Ruhe im Freien ist eine Erfahrung, die für die Vielzahl der Menschen erschreckend ist. Doch ich war die Lautlosigkeit gewohnt und liebte sie.

Bei -25 Grad hier im Süden ist es nichts besonderes zu sehen, wie viele Vögel den Winter hier verbringen. Der gewaltige Kolkrabe, die Häher, genannt Whiskey Jack und die Elstern. Die kleinen Vögel, die sich gut von Beeren, Körnern und Samen ernähren können, tauchen immer wieder einmal auf. Die rötlichen oder gelblichen Tupfer der Hakengimpel, Meisen, Zeisig, Fichtenkreuzschnabel und Bindenkreuzschnabel, nur um einige zu nennen.

Kein Zweifel, der Winter ist da im Yukon. Sonnenaufgang für Whitehorse ist 10.11 Uhr, Sonnenuntergang 17.20 Uhr. Nach Norden gibt es schon eine Stunde weniger Tageslicht und in Dawson City pendelt die Temperatur um die minus 30 Grad. Doch das ist erst der Anfang und es wird noch lange so bleiben.