Freitag, 31. August 2018

Lachse  ziehen und es wird Herbst

Wer  möchte nicht gerne einmal einen Lachs fangen – oder wenigstens einen sehen?
An der Fischtreppe in Whitehorse wurden bis zum 10. August 60 Lachse gezählt. Der Chinook Salmon, oder King Salmon, traf ein. Der Königslachs ist die größte Art unter den Lachsen. Bis zum 29. August waren es 667 der prächtigen Fische. Rund 74 000 kamen in diesem Jahr über den Yukon Fluss nach Kanada. Ist das nun viel oder wenig?
Auf dem Zug zu ihren Laichplätzen durchquerten 2017 genau 1227 Lachse die Fischleiter und 2016 waren es sogar 1550. Dagegen kamen in den 80er Jahren noch zwischen 150 000 bis 175 000 Chinook den Yukon hoch. Nicht verwunderlich also, wenn nun seit zehn Jahren der Fang dieser Fische verboten ist.
Die Zahl der Ankömmlinge wird sich nicht mehr wesentlich verbessern. Denn der Herbst beginnt bereits. Einige Feuer der letzten Wochen qualmen noch, doch die ersten goldenen Farben sind nicht mehr zu übersehen. Der letzte Tag des August brachte noch eine kleine Überraschung. Einige Berggipfel zeigten neue Schneehauben.
Wer sich einmal Lachse durch eine Webcam ansehen möchte, hier ist der Link 
























 

Montag, 30. Juli 2018

Noch haben wir Sommer

Der Juli verabschiedet sich heiß. Mehrmals gab es in den letzten Tagen eine Hitzewarnung für Whitehorse. Mit 29 Grad lag die Temperatur heute um 8 Grad höher als normal. Ähnliche Temperaturen herrschten im Zentrum und nördlichen Yukon.
Die langen Tage locken mich nicht nur, sie zerren mich hinaus. In der Nähe, oder der abgelegenen Wildnis, die Natur beobachten. Die nordamerikanische Veilchenschwalbe/ Violet-green Swallow, ein Schwalbenschwanz neben Moosglöckchen/Twinflower.
Dann war ich für Stunden unterwegs, entdeckte Fischadler/ Osprey in ihrem Nest, was sie sich auf einen Strommast gebaut hatten. Diese Adler sind die einzigen, die nur von Fisch leben.
Auf einem abgelegenen See Kanu fahren, paddeln und fischen, oder an einem plätschernden Bach oder rauschendem Fluss angeln. Wichtig ist mir dabei das Erlebnis. Die Ruhe, die Stille, weit weg von Hektik und dem Lärm anderer Menschen. Ein Fang ist nicht immer möglich, auch nicht erforderlich.
Allerdings freute ich mich, als ich mit zwei Freunden Äschen/Grayling gefangen habe. In nur einer Stunde hatten wir die Fanggrenze erreicht. Zu jedem Gewässer gibt es Bestimmungen, die unbedingt eingehalten werden sollten. Die Art der Fische, die Anzahl der Fische, die Größe, die Beschaffenheit der Haken (zum Teil Widerhaken schon verboten) alles wird mittlerweile vorgeschrieben. Aber für nur $ 35.00 kann jeder Tourist eine ganze Saison fischen. (Yukoner bezahlen selbstverständlich weniger).
Petri Heil für alle Besucher– und morgen werde ich wieder einmal feststellen, ob sie beißen. Mein aufblasbares Kanu liegt schon hinten im Auto und ich werde sehen, wo es mich hin bringt. Gone fishing! 

















 

Samstag, 30. Juni 2018

Sommerzeit

Es ist Sommer. Die Anzeichen sind nicht zu übersehen. Wohnmobile, Touristen, grüne Bäume, Blumen und Moskitos. Nun zieht es mich wieder in die Wildnis. Mit dem Auto unterwegs sein, irgendwo zelten, das Kanu stets dabei.
Vor einigen Tagen war wieder einmal die South Canol Road auf meinem Programm. Eine Schotterstraße, die manchmal 40 Kilometer in der Stunde erlaubt. Wenn es nicht trocken ist, auf keinen Fall für ein Wohnmobil zu empfehlen. Rund 230 Kilometer ohne Werkstatt oder Tankstelle. Dafür allerdings glasklare Seen und Flüsse. Tun und lassen was ich will. Fischen, fotografieren, mich an den Begegnungen mit Tieren freuen. Vögel, Bären, Stachelschweine, Streifenhörnchen, es gibt so viel zu sehen und genießen.
Die Tage sind nun so wunderbar lange hell. Ein kleines Lagerfeuer als Gesellschaft, der Rauch gegen die Moskitos. Ins Zelt gehen, wenn die Sonne gerade untergegangen ist, aufstehen, wenn die Sonne wieder scheint. Dort, oder unter einem Baum, einen gelegentlichen Regenschauer abwarten. Nur die Geräusche der Natur hören. Die plätschernden, rauschenden Wellen von einem See, der gurgelnde Bach, ein zeterndes Hörnchen und quakende Enten.

Wer mehr zum Wetter erfahren möchte, kann auf den Link klicken. (Oben rechts, Access city, könnt ihr jeden Ort im Yukon eingeben und dort die Temperaturen und die Helligkeit der Tage in Stunden sehen).






































Samstag, 26. Mai 2018

Gone Fishing

Erst vor wenigen Tagen sah ich aus dem Fenster und beobachtete das letzte, treibende Eis auf dem Marsh Lake. Bis der ganze See eisfrei sein würde, sollte es noch einige Tage dauern.
Am Ufer tummeln sich nun die Sommergäste. Neben den schlafenden oder fressenden Schwänen, einigen Gänsen, auch Stockenten, Löffelenten und Gelbschenkel. Diese sind häufig zu sehen. Der Regenbrachvogel dagegen selten. Aber mit dem weiten, offenen Wasser kam mir die Idee, fischen zu gehen. Direkt vor der Haustür wollte ich nicht angeln. Da ich kein Handy oder Smartphone habe, konnte ich außerdem wenigstens für einige Tage dem Computer entfliehen. Für niemanden erreichbar. Mir war auch schon klar, wohin ich fahren wollte. Was ich nicht wusste, waren die Überraschungen, die mich erwarteten.
South Canol Road war mein Ziel. Zwar war die Schotterstraße noch geschlossen, doch an der Absperrung war einfach vorbei zu fahren. Rund 100 Kilometer nach Norden durch die Wildnis. Kleine Bäche flossen über die Straße. An mehr als 30 Stellen war zu erkennen, dass umgestürzte Bäume zersägt und weggeräumt worden waren. Keine Überraschung, warum die Straße noch gesperrt war.
Die Überraschung kam erst am Quiet Lake, meinem Ziel. Bis dorthin hatte ich kein einziges Auto gesehen. Der Campground war leer. Die bärensicheren Müllbehälter noch verschlossen. Nach 30 Minuten stand mein Zelt an einem schönen Platz, an dem ich die Eiskristalle klirren hörte. Eine ganz besondere Musik für meine Ohren. Ein Abschiedslied vom Winter.
Böiger Wind brachte das Eis stärker in Bewegung. An einigen offenen Stellen konnte ich fischen. Eichhörnchen zeterten von den Pappeln und futterten an den ersten Knospen. Ein kleiner Schwarm Finken schwirrte um mich, fingen kleine Mücken und die ersten Moskitos. Der jodelnde Ruf von einem Eistaucher hallte über den See. Ein Paar Gänsesäger schwamm nahe an mir vorbei und die Vögel tauchten geschickt unter den Eisschollen hindurch. Auch dafür war ich gekommen.
Mein Ausflug in die Wildnis ist jetzt gerade einmal zwei Tage her. Wir sind in diesem Jahr etwas spät, doch der kurze Frühling im Yukon wird bald schon vorbei sein.



































 

Mittwoch, 16. Mai 2018

Crane & Sheep Festival, Faro, Yukon, 2018

Der Krokus blüht, während tief unten der Yukon River noch von Eis bedeckt ist. Frühling im Yukon – da ist zelten angesagt. Kanadagänse watscheln noch über das Eis eines Sees. Die Bäche sind aufgebrochen, doch es ist noch zu früh, um zu fischen. Wir sind nun einmal später als normal in diesem Jahr.
Mein Ziel ist das jährliche Crane & Sheep Festival in Faro. Es findet immer in der ersten Woche im Mai statt. Warum eigentlich dieser kleine Ort am Pelly River?
Eine geologische Verwerfung zieht sich nordwestlich durch den Yukon. Von Watson Lake, an Ross River und Faro entlang, bis nach Dawson City und Alaska. Genannt wird er Tintina Trench (Graben) der wie ein Tal aussieht.
Kraniche orientieren sich daran, nutzen die starken Aufwinde, um Höhe zu gewinnen, was wie ein Chaos aussieht, bevor sie wieder ihre Formationen einnehmen. Niemand ist da besser als diese wunderbaren, lautstarken Vögel. Wenn die Voraussetzungen günstig sind, können sie an einem Tag bis zu 800 Kilometer zurück legen.
Doch auch andere Zugvögel fliegen hier nach Norden. Steinadler, Fischadler, Schneeammern, Kanadagänse, Schwäne. Aber vor allem die Sandhill Cranes – die Kraniche. Erwartungen hatte ich keine, denn über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen lässt das Spektakel kaum nach. Würde ich 1000, 2000, 5000 sehen können?
An einem Tag waren es 16 000, zwei Tage danach 10 000. In jedem Frühjahr ziehen rund 250 000 Kraniche über Faro hinweg.
Faro hat aber noch eine andere Sehenswürdigkeit. Nein, nicht die zwei Braunen mit ihren langen Beinen. Sie können ja auch nicht fliegen. Aber die Fannin Sheep sind eine Besonderheit. Es ist eine eigene Art mit einer ungewöhnlichen Farbvariante. Nach der letzten Eiszeit hat sich diese Schafart aus Dall Sheep und Stone Sheep entwickelt und in Faro gibt es nur rund 100 Tiere.