Samstag, 18. Mai 2019

Crane & Sheep Festival, Faro, Yukon, 2019

In der ersten Woche im Mai fand wieder das Crane & Sheep Festival in Faro statt. Seit 16 Jahren zieht es Besucher an, die Kraniche und die seltenen Fannin Schafe sehen wollen. Auch mich lockt es seit Jahren in diesen abgelegenen Ort.
Von Whitehorse auf dem North Klondike Highway nach Carmacks sind es 180 KM. Noch immer gab es Eisreste am Ufer des Yukon River. Hier bog ich auf den Robert Campbell Hwy, der nach Osten führt. Noch einmal 180 KM sind es bis nach Faro und mir kamen gerade drei Fahrzeuge entgegen. Die Touristenzeit hatte noch nicht begonnen. Unterwegs sah ich Grouse, Stachelschweine, Kojoten, Hasen, Adler und Karibu.
In Faro brauchte ich nicht lange zu warten, um die ersten ziehende Kraniche zu sehen. Es waren Tausende, obwohl der Zug gerade erst begonnen hatte. Auf einer Schotterstraße fuhr ich zehn Kilometer zum Mount Mye, auf dem es Schafe gibt. Es ist die Zeit, wo sie ihre Lämmer bekommen und ich hatte Glück, sah 34 erwachsene Tiere und ein Lamm auf wackligen Beinen, noch keinen Tag alt. Dabei hörte ich immer wieder die lauten, rollenden Rufe der Kraniche. Stundenlang schaute ich begeistert in den Himmel, wo sich ein faszinierender Tanz abspielte. Die Formationen schienen in Wellen über mich hinweg zu rauschen.
Bei meiner Rückfahrt hielt ich, wo immer ich mir etwas anschauen oder etwas beobachten wollte. Wie diese Spießenten / Pintail., die auf einem zum Teil offenen See landeten, während über mir Schwäne zogen. Die Eisreste am Yukon dürften bald verschwunden sein und die Pappeln bekamen schon zarte, hellgrüne Blätter.































 

Dienstag, 30. April 2019

Sonnentage

Die Sonne zeigt sich um 6.00 Uhr und geht um 22.00 Uhr unter. Der Frühling ist nicht mehr aufzuhalten und die Sommergäste treffen zu Tausenden ein. Schnee liegt nur noch in schattigen Ecken und Tümpel sind bereits eisfrei. Plötzlich ist überall Leben eingekehrt. An den Teichen schreiten Kanadagänse und der kleine Wasserpieper trippeln mit wippendem Schwanz durch das erste Grün. Überall schnattert und quakt es. Flügel schlagen. Schwäne schmettern ihre trompetenartigen Rufe in die Frühjahresluft. Ein Schwarm Spornammern schwirrt auf einen noch kahlen Strauch und der Junco, eine Art der Finken mit grauem Kopf, sucht am Boden nach Futter.
Weidenäste zeigen ihre bunten Knospen und mit der Küchenschelle, hier Wild Crocus genannt, haben wir die ersten, blühenden Blumen.
Dagegen sind die großen Seen noch von Eis bedeckt. Kanadagänse, Stockenten oder Graureiher scheinen geduldig zu warten, bis das Eis verschwindet.
Vereinzelt summt bereits ein Blutsauger, doch sie sind noch sehr langsam und verbiegen sich höchstens ihren Rüssel. Das wird leider nicht mehr lange so bleiben. Moskitos gehören nun einmal zum Sommer. 






































 

Montag, 22. April 2019

Earth Day

und etwas mehr. Dankeschön an alle, die an meinen Geburtstag gedacht haben. Daher einmal eine persönliche Geschichte, obwohl es, wie immer bei mir, um den Yukon geht.

Hinter mir lag eine abenteuerliche Fahrt auf dem schlammigen Alaska Highway nach Norden. Dann sah ich diese Brücke. Links neben ihr erstreckte sich ein mir unbekannter, großer See. Nach rechts strömte der Yukon River. Noch nie im Leben gesehen, doch seit Jahren darauf gefreut. Auf dem Fluss trieben noch Eisschollen. Es war der 27. Mai. Noch war mir nicht bewusst, dass sich mein Leben von nun an für immer verändern sollte. 




Es machte mir Freude, neues zu lernen. Ob es nun Gold waschen war, oder ich meine Kenntnisse über Tier- und Pflanzenwelt vertiefen konnte. In den folgenden Jahren war ich ein Abenteurer, ein Suchender, mit Kanu und Rucksack ein Wanderer in der Wildnis. Ungefähr sechs Monate des Jahres lebte ich nun in den Wäldern. Über den Zeitraum von 10 Jahren sah ich dort die Farben des Herbstes reifen, erlebte das Nahen des Winters, den kurzen Frühling und die Hitze des Sommers. In meiner Welt konnte ich in traumhaften Landschaften fischen und jagen. 













Ein nagender Traum blieb, dem ich nicht widerstehen konnte und wollte. Weit entfernt von einer Straße, von Strom und fließendem Wasser, begann ich, ein Blockhaus zu bauen. Nur mit Handwerkzeug und Motorsäge. Mit meiner Frau Gaby vollendete ich diesen Traum und wir lebten dort für 10 Jahre. Dabei lernten wir die Natur und die Herausforderungen mit den eisigen Winter besser kennen. 






















Der nächste Schritt führte uns in die Nähe der Zivilisation. Bald hatten wir Strom, fließendes Wasser und eine nette Familie als Nachbarn, wenn auch nicht gerade in unmittelbarer Nähe. Mit Begeisterung arbeite ich nun als Guide, lernte jede Straße des Yukon kennen und paddelte Tausende von Kilometern mit dem Kanu. Mir machte es Freude, mit den Gästen, den Besuchern, mein Wissen über den Yukon zu teilen. Als Guide arbeitete ich mehr als 10 Jahre.




Im letzten Jahr war ich am 27. Mai wieder an der gleichen Brücke. Auch in wenigen Wochen möchte ich wieder dort sein. Dankbar werde ich über den See blicken, an dem ich nun wohne. Meine Gedanken werden der Strömung des Yukon River folgen und in die Vergangenheit wandern. Hier stehe ich, wie damals – doch es sind 40 Jahre vergangen.





Noch immer bin ich viel auf abgelegenen Straßen und mit dem Kanu unterwegs. Guide mache ich nur noch für Bekannte und Freunde. Die Touristen scheinen in den Sommermonaten mehr und mehr zu werden. Aber es ist eine andere Generation. Nicht alle wissen wie es ist, aus einem plätschernden Gebirgsbach mit der hohlen Hand Wasser zu schöpfen und zu trinken. Nicht jeder spürt die Faszination, die Ruhe und Stille in einem bewirken kann. Wichtig ist oft eine Verbindung zum Internet, um möglichst schnell den „Freunden“, der „Welt“, durch Instagram, Twitter und WhatsApp mitzuteilen, was du erlebt und gegessen hast. Das ist nicht meine Welt.




 


 


 


 

Samstag, 30. März 2019

Es ist Frühling

Das erste Drittel in diesem Monat war noch frisch. Einige sagen dazu kalt. Doch was lässt sich tun, wenn man mit seinem Auto jetzt unterwegs sein möchte, auch darin übernachtet? Kein Strom für ein Heizkabel in der Nähe und den Van für die Heizung laufen lassen, ist auch keine Lösung. Also Dach aufschneiden, Ofenrohr durchstecken, versiegeln. Der Holzofen im Inneren macht schnell und gut warm. Spüre ich da Zweifel, Gedanken zu Sicherheit und TÜV? Nicht im Yukon.
Rekordtemperaturen waren dann für den weiteren März angesagt. Die schon kräftige Sonne verringerte täglich den Schnee. Nach meiner Meinung gab es das so noch nie, wenigstens habe ich es noch nicht erlebt. Kann sich jemand an den Emerald Lake erinnern? Wer schon einmal im Sommer von Whitehorse nach Carcross gefahren ist, wird ihn kaum übersehen und vergessen haben. Seine smaragdgrüne Farbe ist unvergesslich. Doch die Seen sind noch mit Eis bedeckt. Aber die ersten Sommergäste treffen bereits ein. Ob in dem flachen Gewässer bei Tagish oder auf dem Teslin River bei Johnson´s Crossing. Trompeterschwäne sind große, gewaltige Vögel. Ihr lauter, dröhnenden Ruf ist schon lange zu hören, bevor sie elegant auf dem Gewässer landen. Nun flattern auch die kleinen Gäste ein, wie dieser Schwarm Schneeammern. 


























 

Sonntag, 10. März 2019

Sommerzeit

Mit - 25 Grad beginnt der Sonnentag klar und frisch. Das lockt hinaus. Um zu spüren, was wichtig ist. Einfach unterwegs sein. Durch die winterliche Wildnis wandern. Einen Biberdamm an einem kleinen Bach bewundern. An schneebedeckten Büschen entlang streifen. Offene Seen und Flussteile bestaunen. Das Wasser ist rein und klar. Eine Anhöhe hinauf steigen. Meine Lebensenergie pocht in den Adern, pulsiert von dem Aufstieg, dem stapfen durch den Schnee. Der Blick reicht weit über einen zugefrorenen See. Die schwer zu verstehende Stille hören. Ruhe erleben und mit der Natur im Einklang sein. Die kräftigen Sonnenstrahlen auf der Haut spüren. Wer kann sich das noch vorstellen? Kein Telefon, kein Internet. Niemand weiß, wo ich mich aufhalte. Den inneren Frieden wahrnehmen. Einfach nur SEIN.
Die Spuren der tierischen Nachbarn betrachten, die hier leben. Luchs, Fuchs, Hase, Schneehuhn. Der See sieht aus wie eine weiße Wüste. Der knirschende Schnee unter meinen Stiefeln das einzige Geräusch. Dann senkt sich die Sonne hinab. Gleichmäßig zieht sie auf ihrer Bahn. Unbeeindruckt von den Menschen, die auch daran etwas drehen, sinnlos etwas verändern. Denn nun haben wir SOMMERZEIT.
Die Temperatur zeigt mit der mildesten Nacht des Monats die Richtung an, nur – 6 Grad.